Tag 3 – 100 Jahre Grüne Woche – Vom Stall zur Weltmesse

Sonntag auf der Grünen Woche – das bedeutet vor allem: in den Messehalten ist richtig was los. Gerade im Jubiläumsjahr. Denn die Grüne Woche wird dieses Jahr 100 Jahre alt. 1926 begann es ganz bodenständig: Ein Mitarbeiter im Berliner Fremdenverkehrsamt hatte die Idee, die traditionelle Winter-Tagung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft mit einer Ausstellung rund um Landwirtschaft und Ernährung öffentlich zu verbinden. Heraus kam eine Warenbörse auf 7.000 Quadratmetern, die auf Anhieb rund 50.000 Besucher anlockte.  

In den ersten zwei Jahrzehnten – also bis in die 1940er – war die Grüne Woche vor allem eins: eine Mischung aus Marktschau, Innovationstreff und Volksfest. Zu sehen gab es neben klassischem Vieh und Pflanzen auch echte Pionier-Erfindungen: Ein Universalschlepper mit 100 PS etwa, der die beginnende Mechanisierung der Landwirtschaft symbolisierte. Oder Geräte wie Kannenmelkanlagen, Raupenschlepper und Motorsägen. Und auch kuriose Versuchsanordnungen gab es zu bestaunen: zum Beispiel eine Maschine, die Eier durch Drehung frisch halten wollte. Schon früh vermischten sich Profis und die breite Öffentlichkeit: Landwirte, Händler, aber auch Städter mit Interesse an Lebensmitteln und Natur trafen sich hier – teils schon vor dem großen Boom der Agrarmotorisierung. 

Heute schaut die Grüne Woche auf eine beeindruckende Bilanz: In den 90 Auflagen der Messe – während des 2. Weltkriegs und in den ersten Nachkriegsjahren fand sie nicht statt – präsentierten sich rund 72.000 Aussteller aus mehr als 100 Ländern. Insgesamt zählte sie bis heute mehr als 29 Millionen Besucherinnen und Besucher. Die Grüne Woche ist DIE internationale Leitmesse für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau – und daher für den DRV und seine Mitgliedsunternehmen eine wichtige Bühne für politische Gespräche, Botschaften und Netzwerk.  

So wie auch wieder am dritten Messetag: Der Vorsitzender im Landwirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestags, Hermann Färber, tauschte sich am DRV-Kooperationsstand intensiv mit dem Präsidenten des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands, Dr. Ulrich Theileis, aus. Mit dabei waren die Schwarzwaldmilch aus Freiburg mit Geschäftsführer Andreas Schneider und die Markgräfler Winzer eG mit Geschäftsführer Hagen Rüdlin. Themen: Die politischen Rahmenbedingungen für die genossenschaftliche Milch- und Weinwirtschaft im Südwesten und in Deutschland.

Der erste Sonntag der Grünen Woche ist im Erlebnisbauernhof traditionell bestimmt vom bunten Bild unzähliger Produktbotschafterinnen -botschafter aus ganz Deutschland. Es gibt nahezu kein landwirtschaftliches Produkt, das nicht charmant und kompetent vertreten wird: Es gibt royale Vertreterinnen und Vertreter für Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbis, Kirschen, Milch, Honig, Wein, Bier, Äpfel, und und und ….. Die „Apfelhoheiten vom Bodensee“ machten auch gleich Fotos auf dem DRV-Stand. Schließlich wird hier auch die genossenschaftliche Obst- und Gemüsewirtschaft vertreten. 

Ersten Geburtstag auf der Grünen Woche feierte das DRV-Frauennetzwerk. Im Januar 2025 gestartet, hat es zum Ziel, Frauen in der genossenschaftlichen Szene zusammenbringen, sie sichtbar zu machen und in ihrer Arbeit zu unterstützen. Klar, dass der DRV sehr die Entscheidung der Vereinten Nationen begrüßt, das Jahr 2026 als „International Year of the Woman Farmer“ auszurufen. Denn trotz positiver Entwicklungen bestehen weiterhin strukturelle Hürden, die Frauen insbesondere bei Betriebsübernahmen und beim Aufstieg in Führungspositionen ausbremsen. Im EU-weiten Durchschnitt sind circa 32 Prozent Frauen in landwirtschaftlichen Führungspositionen. In Deutschland werden laut Agrarstatistik elf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe von Frauen geführt.

Wir freuen uns auf Montag.